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Pfarrer über Kirchenaustritte: «Wir sind am gesund-schrumpfen»

Ein Berner Pfarrer nennt Kirchenaustritte «gesund-schrumpfen». Wer war denn vorher ungesund? Eine Mail und was das Wort über die Haltung verrät.

Die Kirchen verlieren Mitglieder, und ein Pfarrer hat dafür ein neues Wort gefunden. In einer E-Mail an Kirchenaustritt Schweiz schreibt ein reformierter Pfarrer aus einer kleinen Gemeinde im Kanton Bern: «Wir sind am gesund-schrumpfen.» Kirchenaustritte als Gesundheitskur. Damit stellt sich eine Frage, die der Pfarrer offen lässt: Wer war denn vorher ungesund?

Zuerst unser Fehler

Fair ist fair, deshalb beginnen wir bei uns. Am 1. Juli 2026 meldet sich der Pfarrer bei uns, und er ist verärgert. Ein Kunde aus seiner Gemeinde hatte über unseren Service ein Austrittsschreiben bestellt. Die hinterlegte Adresse war falsch: Das Einschreiben ging an die Nachbar-Kirchgemeinde, wurde dort zurückgewiesen und kam erst über Umwege beim richtigen Pfarramt an.

Die Kritik war berechtigt. Der Pfarrer fragt, ob wir «29.- für eine nicht notwendige Dienstleistung» verlangen und dann «eine komplett irrige Adresse» liefern. Sein Fazit: Der Kunde «hätte auch einen formlosen Zweizeiler schreiben können – gratis».

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Jetzt austreten

Wir haben den Fehler eingeräumt. Für solche Fälle gibt es bei uns eine Geld-zurück-Garantie, und der Kunde bekommt sein Geld zurück. Unsere Antwort fiel, das geben wir zu, ziemlich spitz aus. Sinngemäss schrieben wir: Fehler passieren uns, wir stehen dazu, und wir fragten, ob die Kirche auch eine Geld-zurück-Garantie kenne.

Auch in einem anderen Punkt hat der Pfarrer recht: Ein Austritt geht grundsätzlich auch formlos. Wer das selbst erledigen will, findet bei uns eine kostenlose Kirchenaustritt-Vorlage.

Der Satz im PS

Spannend wird es in der zweiten Mail des Pfarrers, genauer im PS. Er lädt uns ein, wieder in die Kirche einzutreten: «warum treten Sie nicht wieder ein und prägen die Kirche von innen heraus in einem positiven Sinn mit?»

Und dann folgt der Satz, um den es hier geht:

«Wir sind am gesund-schrumpfen – aber ich bereite zeitgleich gerade eine Kinderwoche vor mit 45 Teilnehmenden»

Der Pfarrer schliesst mit: «Prägen – gestalten – oder austreten – wenn man damit nichts anfangen kann. Selber schuld – ist OK.»

Kirchenaustritte als «Gesundschrumpfen»: Was das Wort verrät

Den Begriff «Gesundschrumpfen» kennt man aus der Wirtschaft. Ein Unternehmen baut Stellen oder Bereiche ab, um wieder gesund zu werden. Das setzt voraus, dass es vorher krank war, zu gross, zu träge, mit Ballast.

Wenn ein Pfarrer die Kirchenaustritte so beschreibt, stellt sich aus unserer Sicht die naheliegende Frage: Wer ist denn der Ballast, der da abgebaut wird?

Es sind Menschen, die oft jahrzehntelang Kirchensteuern bezahlt haben. Sie haben Kirchgemeinden, Gebäude, Seelsorge und soziale Angebote mitfinanziert, auch dann, wenn sie selten in der Kirche sassen. Wir glauben nicht, dass der Pfarrer diese Menschen bewusst als «ungesund» bezeichnen wollte. Aber das Wort sagt es so. Und es zeigt eine Haltung: Wer geht, ist kein Verlust, sondern eine Bereinigung.

Wir finden: Genau diese Haltung ist einer der Gründe, warum sich immer weniger Menschen mit der Kirche identifizieren. Wer Austretende als Gesundungsprozess abhakt, fragt nicht mehr, warum sie gehen.

«Treten Sie doch wieder ein»

Bemerkenswert ist auch die Einladung im selben PS. Die Kirche verliert Mitglieder, und die Lösung soll sein, dass andere eintreten und sie «von innen heraus» positiv prägen. Die Verantwortung für das Image der Kirche liegt damit bei denen, die sie verlassen haben.

Dabei verdient eines durchaus Anerkennung: Eine Kinderwoche mit 45 Teilnehmenden ist laut dem Pfarrer mehr als die Hälfte der rund 80 Schulkinder der Unter- und Mittelstufe im Dorf. Das ist ein Erfolg. Solche Angebote gibt es in vielen Kirchgemeinden, und sie leisten gute Arbeit. Nur ändert das nichts an der Frage, wie die Kirche über die Menschen spricht, die gehen.

Fazit

Ein Pfarrer erklärt den Mitgliederschwund zur Gesundheitskur und rät Kritikern, wieder einzutreten. Mit seinem Schlusssatz «Selber schuld – ist OK» hat er allerdings recht: Austreten ist okay. Es ist ein Grundrecht, und niemand muss sich dafür rechtfertigen.

Wer diesen Schritt gehen will, findet alle Informationen auf unserer Seite zum Kirchenaustritt im Kanton Bern. Und falls die Kirchgemeinde vor dem Austritt ein Gespräch mit dem Pfarrer wünscht: Sie dürfen es ablehnen.

Häufige Fragen

Kann man auch formlos aus der Kirche austreten?

Ja. In den meisten Kantonen genügt eine schriftliche, unterschriebene Austrittserklärung an die Kirchgemeinde. Kirchenaustritt Schweiz bietet dafür auch eine kostenlose Vorlage an.

Muss ich vor dem Kirchenaustritt ein Gespräch mit dem Pfarrer führen?

Nein. Ein Gespräch kann angeboten werden, Sie dürfen es aber ablehnen. Der Austritt ist ein Grundrecht (Art. 15 Abs. 4 BV) und muss nicht begründet werden.

Was bedeutet «Gesundschrumpfen»?

Der Begriff stammt aus der Wirtschaft: Eine Organisation verkleinert sich, um wieder gesund zu werden. Er setzt voraus, dass sie vorher zu gross oder belastet war.

Stand: November 2026 · Kirchenaustritt Schweiz

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